Vereinschronik

Ich kann mich noch gut erinnern, ich war noch ein kleiner Bub, erzählt Georg Deininger, ehemals Bürgermeister in unserem Dorf, daß sich unsere Nachbarn mit meinen Eltern jedes Jahr zum Veteranenball nach Schwabhausen verabredet haben. Viele Petzenhauser waren also Mitglied im Kriegerverein des Nachbardorfes, im eigenen Ort gab es bis 1922 keinen Veteranenverein.

Im Buch "Unsere Helden im Weltkriege - Gemeinde Petzenhausen" lese ich: "Vierundfünfzig junge gesunde Petzenhauser haben im heißen Ringen um des Vaterlandes Bestand und des Deutschen Volkes Ehre und Ruhm mitgekämpft im großen Krieg von 1914/18." Ich blättere weiter und finde die Gedenkblätter für zehn Soldaten, die - vor allem aus Frankreich - nicht mehr heimgekehrt sind.

1922 errichteten die Kameraden der Gefallenen in der Pfarrkirche das Kriegerdenkmal und gründeten den Krieger- und Soldatenverein Petzenhausen.

Bild der Vereinsgründer von 1922
für größere Ansicht die "Detailbilder der Vereinsgründer von 1922" am Seitenende anklicken!
Herr Böhm, Jagdherr in Schwabhausen, Petzenhausen und Geretshausen, stiftete dem jungen Verein eine Fahne, die beim Gründungsfest am 30. Juli feierlich geweiht wurde. Fahnenmutter war damals Frau Leni Böhm, Fahnenbraut Maria Lichtenstern. Als erster Vorstand des jungen Vereins wird mir Max Dietrich genannt. Ihm folgte für viele Jahre Moritz Wurmser.
Die Veteranen ehrten jedes Jahr ihre Gefallenen und Vemißten beim Kriegerjahrtag. Die Kriegerwallfahrt ging damals nach Grafrath. Man vergaß aber auch die Geselligkeit nicht. Zum festen Bestand des Dortlebens gehörte der Veteranenball. Lustig muß es auch bei den gemeinsamen Radausflügen der Kameraden gewesen sein.

1939 begann der 2. Weltkrieg. Wieder wurden viele Petzenhauser zu den Waffen gerufen, elf verloren ihr Leben und neun wurden vermisst. Ihre Namen sind in die Gedenktafeln graviert, die die Gemeinde nach dem Zusammenbruch am Kriegerdenkmal in der Kirche anbringen ließ.
Zum ersten Vorstand nach dem Krieg wurde Georg Deininger gewählt. 10 Jahre später übernahm Simon Wurmser die Führung, der sie nach weiteren 10 Jahren Karl Dill übergab.

1966 wurde unter der Bauleitung des Kirchenpflegers Peter Michl vor der Kirche das neue Kriegerdenkmal errichtet. Dazu holte man in sorgfältiger Arbeit aus dem Gotteshaus die alten Gedenktafeln, restaurierte sie und fügte sie zu beiden Seiten des Kreuzes ein.

1972 wurde der Verein 50 Jahre alt. Die Kameraden feierten am 30. Juli das Jubiläum mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche. Pfarrer Hubert Kranzfelder segnete das Erinnerungsband, das die Fahnenbraut Johanna Schmelcher gestiftet hatte. Nach der Gedenkfeier am Kriegerdenkmal marschierte man zum Gasthof Fiedler. Im Rahmen einer Feierstunde ernannte Vorstand Dill die noch lebenden Gründungsmitglieder zu Ehrenmitgliedern.
Nach 57 Jahren wurde 1979 eine vollkommene Restaurierung der Fahne notwendig, Viele Petzenhauser trugen mit ihren Spenden dazu bei. Das ganze Dorf feierte mit allen Vereinen dann im August die Fahnenweihe. Pfarrer Dr. Hubert Kranzfelder segnete das Tuch, das Fahnenjunker Josef Schmelcher, begleitet von den Fahnenjungfern Gertrud Drexl und Marianne Haslauer, in die Kirche trug.

Von 1984 bis 2013 war Eberhard Landbrecht Vorstand des Krieger- und Soldatenvereins. Er wurde aufgrund seiner Verdienste als langjähriger 1. und 2. Vorsitzender im Jahr 2013 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

1997 wurde das 75-jährige Gründungsjubiläum gefeiert. Zusammen mit Schirmherr und Landrat Erwin Filser und 26 Fahnenabordnungen führte der Kirchenzug zum Kriegerdenkmal, das Pater Arnold aus St. Ottilien segnete. Nach der Ansprache von Vorstand Eberhard Landbrecht und der Kranzniederlegung zog man unter den Klängen der Festkapelle "Musikfreunde Geretshausen" zum Festzelt, in dem Pater Arnold den Festgottesdienst zelebrierte.
Bei der anschließenden Feierstunde wurden verdiente Mitglieder des Festvereins geehrt. 

In den letzten Jahren sind dem Verein besonders viele junge Soldaten und Reservisten beigetreten. Wenn sie sich mit den Veteranen beim Jahrtag am Kriegerdenkmal versammeln, zeigen sie, daß sie die Ehrung der Gefallenen und Toten nicht einfach den Alten überlassen. Darauf darf der ganze Verein stolz sein.


Seit 2013 ist Georg Nebel 1. Vorsitzender des Krieger- und Soldatenvereins.

Verfasser:
 Paul Ach, Anton Keller

Detailbilder der Vereinsgründer von 1922